Zukunft der Arbeit: „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“


Die Digitalisierung der Arbeitswelt werde Millionen Arbeitsplätze kosten. Eine Herausforderung, der sich die Gesellschaft noch nicht einmal ansatzweise gestellt habe, sagte der Publizist und Philosoph Richard David Precht im Gespräch mit Karin Fischer.

Auch in Zukunft würden Menschen noch arbeiten, aber vielleicht nicht mehr für Geld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis annähernd die Hälfte der Menschen keinem normalen Nine-to-five-Job mehr nachgeht, sagt der Philosoph Richard David Precht, und fügt hinzu: „Arbeiten werden die Menschen auch in Zukunft. Aber sie werden es vielleicht nicht mehr für Geld tun, und sie werden es vielleicht nicht mehr für eine Firma tun und sie werden es nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis tun.“

Das Problem ist dabei nicht das Selbstfahrende Auto, das laut Precht ebenso sicher kommt wie das bedingungslose Grundeinkommen. Das Problem: „Technologischer Fortschritt wird ja nicht auf demokratischem Weg erzeugt, sondern von kommerziellen Unternehmen vorangetrieben. Es entstehen digitale Supermächte, und denen kann völlig egal sein, wer unter ihnen in Deutschland Bundeskanzler ist oder amerikanischer Präsident. Und eine solche Machtfülle ist nicht gut. Wir bekommen eine Art technokratischer Diktatur.“

Die nächsten Jahre werden schwierig, so Prechts Prognose, der glaubt, dass die digitale Revolution die Gesellschaft erst einmal negativ verändern wird. Grundsätzlich könnte mit ihr aber ein Menschheitstraum wahr werden: „Die Befreiung des Menschen von der entfremdeten Arbeit. Das ist ein alter Menschheitstraum, eine positive Utopie: Arbeit als das zu definieren, worin Sie selber vorkommen und nicht als das, wofür Sie Geld kriegen.“

Der Umgang der Politik mit dem Thema heute von Donald Trump bis Martin Schulz sei allerdings völlig unangemessen, so Precht: „Wir versuchen im Moment, den Arbeitsmarkt von gestern mit einem Mindestlohn zu stabilisieren. Gutverdienende Piloten streiken, um ihre Privilegien zu sichern, bevor in zehn Jahren kein einziger Pilot mehr ein Flugzeug fliegt. Was wir im Augenblick machen: wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um.“

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Quelle:
youtube.com
DLF / Kulturfragen /
Zukunft der Arbeit „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“

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2 Antworten auf „Zukunft der Arbeit: „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um““

  1. Vollbeschäftigung im erwerbswirtschaftlichen Sinn muss natürlich nach wie vor das primäre Ziel einer Wirtschaftspolitik sein.
    Diese Vollbeschäftigung kann man unter anderem durch ArbeitszeitVERKÜRZUNGEN erreichen.

    Leider geht derzeit der Weg über den 12h-Arbeitstag in die vollkommen falsche Richtung.
    Mittel- bis langfristig wird der 12h-Arbeitstag und die fehlenden ArbeitszeitVERKÜRZUNGEN viele Arbeitsplätze vernichten und die Zahl der Arbeitslosen vergrößern !

    siehe: Politik muss wieder für die einfachen Menschen gemacht werden.
    Markus Gartner
    https://www.solidarwerkstatt.at/medien/buecher-materialien/broschuere-politik-muss-wieder-fuer-die-einfachen-menschen-gemacht-werden

  2. Vollbeschäftigung muss natürlich nach wie vor das primäre Ziel einer Wirtschaftspolitik sein, doch befristete Beschäftigungsverhältnisse verbreiten sich derzeit immer mehr !

    In Abgrenzung zu Normalarbeitsverhältnissen haben befristete Beschäftigungsverhältnisse nur eine begrenzte Laufzeit und gelten deshalb als atypisch.
    Das Arbeitsverhältnis endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf.

    Der Frage, welche Chancen und Risiken sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen ergeben, geht der folgende Text (siehe Link) nach.

    Sachgrundlose Befristungen haben mittlerweile eine hohe Verbreitung und bewegen sich im Konfliktfeld zwischen der Schwächung des gesetzlichen Kündigungsschutzes und der Verringerung von Einstiegschwellen in den Arbeitsmarkt.

    http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/178184/befristete-beschaeftigung

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