„Living Planet“ Studie: Massensterben !

von Robert Manoutschehri
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In den letzten 45 Jahren ist die Gesamtzahl aller Wirbeltiere um 58 Prozent zurückgegangen.
Süßwasser-Arten um 81 % geschrumpft, Meerestiere um 36 %, Landwirbeltiere um 38 %.
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Die Biodiversität auf unserer Erde schwindet
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Dank ungebremster Expansion des Menschen in beispiellosem Tempo, melden WWF International und fünf an der vierjährigen Studie beteiligte Forschungsinstitute.
Der Mensch raubt Tieren den Lebensraum, durch Übernutzung, Verbauung und Verschmutzung. Die zunehmende Ausbreitung invasiver Spezies sowie umweltbedingte Krankheiten schwächen den Tierbestand weiter.
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In den vergangenen 500 Millionen Jahren habe es auf der Erde fünf „Massenauslöschungsperioden“ gegeben, also wenn Tierarten tausend mal schneller dezimiert werden, als es unter normalen Bedingungen geschehen könnte.
Jetzt erlebt der Planet durch das Einwirken des Menschen sein sechstes Massensterben.
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Und wir dürfen bei alldem auch nicht vergessen, dass der Mensch selbst auch nur ein Glied in dieser extrem bedrohten Kette des Lebens ist.
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Zusammenfassung des World Wildlife Fund https://www.worldwildlife.org/pages/living-planet-report-2016?fbclid=IwAR3EL5ASqeLteEz32NRKnvO7TOSMsq5s-g-THZqUDZ03PqNRtM_F0YYUinUhttps://www.worldwildlife.org/pag…/living-planet-report-2016 
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Der komplette Report als PDF
http://assets.worldwildlife.org/publications/964/files/original/LPR_2016_full_report_low-res.pdf?1477526585&_ga=1.183711782.1273743480.1477569238&fbclid=IwAR2hh-6DWNZ8pzjHS1WVEOrNAOMcTgMHBfVDxHJri0C6T_q2GQ5z6x-62vg  
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Menschlicher Raubbau beschleunigt Artensterben !
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Lebensräume schwinden, immer mehr Arten sterben aus. Der menschliche Raubbau an der Natur belastet unseren Planeten stärker als je zuvor. Seit 1970 reduzierten sich die weltweiten Wirbeltier-Bestände durchschnittlich um 60 Prozent – in Österreich sogar um 70 Prozent. Diese alarmierenden Trends zeigt der vom WWF erstellte Living Planet Report, der unsere Erde alle zwei Jahre einem Gesundheits-Check unterzieht.
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Seit 40 Jahren gehen die Tierbestände weltweit kontinuierlich zurück, inzwischen um 60 Prozent gegenüber dem Beginn der Messungen im Jahr 1970. Demgegenüber steht ein weiter steigender Ressourcenverbrauch der Menschheit. Der Zusammenhang beider Entwicklungen ist offensichtlich: Die Menschheit nutzt seit 40 Jahren mehr natürliche Ressourcen als die Erde erneuern kann.
Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit wird permanent größer: 1,7 Erden bräuchte es momentan, um den Ressourcenverbrauch zu decken.
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Die Hauptgründe für den Verlust von Biodiversität sind Übernutzung und Lebensraumverlust. Die Abholzung der Wälder, Überfischung und der Verlust natürlicher Lebensräume gehen auf Kosten der Natur, der Artenvielfalt und der Funktionsfähigkeit der Ökosysteme. Wir Menschen zerstören unsere eigene Lebensgrundlage. Darüber hinaus bedrohen invasive Arten, Umweltverschmutzung und zunehmend auch der Klimawandel die Biodiversität.
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Und nicht nur auf Wirbeltiere wirkt es sich aus, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen: Die meisten Blütenpflanzen werden von Insekten und anderen Tieren bestäubt, über 75 Prozent der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen sind darauf angewiesen. Die Ernährungssicherheit ist somit stark von den Bestäubern abhängig. Eine veränderte Landnutzung aufgrund intensiver Land- und Forstwirtschaft und der weitere Ausbau von Straßen, Siedlungen, etc. ist einer der Hauptgründe für das Verschwinden der Bestäuber oder anderer wichtiger Arten, insbesondere wenn natürliche Gebiete, die Nahrung und Brutplätze bieten, geschädigt werden oder verschwinden.
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„Die größten Gefahren für unseren Planeten und uns selbst sind direkt mit dem menschlichen Raubbau an der Natur verbunden.
Naturschutz ist kein Luxusthema, sondern sichert unsere Lebensgrundlagen.
Die biologische Vielfalt ist unsere beste Versicherung gegen die negativen Einflüsse der Naturzerstörung, sei es als Puffer gegen die Folgen der Klimakrise oder als Grundlage für Gesundheit, Wohlstand, Ernährung und Sicherheit der Menschheit. Die Übernutzung der natürlichen Ressourcen führt zur Zerstörung und zum Verlust von Lebensräumen“, erklärt Artenschutz-Experte Georg Scattolin.
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Gemeinsam mit dem WWF fordert er ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen im Stile des Pariser Klimavertrags: „Das Artensterben ist nicht auf einzelne Brennpunkte beschränkt, sondern findet auf allen Erdteilen statt. Wir erleben einen beispiellosen Niedergang der Natur. Das Zeitfenster für Gegenmaßnahmen schließt sich bereits. Die Welt braucht einen globalen Naturschutzpakt, um die Trendwende zu schaffen.“
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70 Prozent weniger Wildtiere in Österreich!
Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat der WWF erstmals auch eine eigene Analyse für Österreich erstellt, die konkrete politische Versäumnisse beim Erhalt der biologischen Vielfalt aufzeigt.
„Die Wirbeltierbestände in Österreich sind in einem schlechten Zustand. Im untersuchten Zeitraum (1986 bis 2015) kam es zu einem Rückgang von im Schnitt 70 Prozent. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Living-Planet-Index auf globaler Ebene bereits von 1970 bis 1986 eine weltweite Abnahme der Bestände um 30 Prozent anzeigt, erscheint die aktuelle Situation in einem noch dramatischeren Licht“, warnt Artenschutz-Experte Arno Aschauer.
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Obwohl seit 1995 EU-Mitglied und mit entsprechenden Verpflichtungen behaftet, werden lediglich 18 Prozent der europarechtlich geschützten Arten und nur 44 Prozent der europarechtlich geschützten Lebensräume (gemäß FFH-Richtlinie) in einem österreichweit einheitlichen Monitoring untersucht – dementsprechend oft fehlen Schutzmaßnahmen.
„Es braucht ein völliges Umdenken. Bund und Länder müssen Österreichs internationale Verpflichtungen nicht nur einhalten und engagierter umsetzen, sondern sie sogar übertreffen. Ansonsten wird das laufende Artensterben nicht zu stoppen sein. Es ist schon fünf nach zwölf“, warnt Aschauer vor weiterem politischen Stillstand.
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„Es braucht weit mehr Anstrengungen zum Erhalt unserer Artenvielfalt, sowohl im Bereich der Grundlagenforschung als auch bei der Umsetzung“, sagt Univ. Prof. Klaus Hackländer, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des WWF Österreich. „Österreich braucht mehr denn je einen konkreten politischen Aktionsplan für mehr Arten- und Naturschutz. Es braucht mehr Rückzugsräume und Schutzgebiete, die ihren Namen auch verdienen. Umweltschädliche Subventionen müssen auf allen Ebenen gestoppt werden. Parallel dazu braucht es mehr Forschung und Monitoring, um negative Trends überhaupt erkennen zu können“, so Aschauer.
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Die „One Planet“ Perspektive des WWF
Ein gesunder Planet ist Voraussetzung für ein gesundes Leben. Ohne konsequenten Richtungswechsel nehmen die ökologischen Systeme weiteren Schaden. Dann müssen wir mit ernsten ökonomischen und sozialen Konsequenzen rechnen. Knappere natürliche Ressourcen führen zu Konflikten. Die gute Nachricht: Ergreifen wir konsequente Maßnahmen, ist eine Trendumkehr noch möglich! Doch ein Richtungswechsel gelingt nur, wenn Regierungen, Unternehmen, Forschung und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.
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Dazu sollen u.a. bis 2020 von Bund und/oder Ländern nationale Aktionspläne (mit klaren Zuständigkeiten und Finanzierungen sowie messbaren, terminisierten und ergebnisorientierten Zielen) für die 20 wichtigsten Arten Österreichs erstellt und mit deren Umsetzung begonnen werden. Der Erhalt und die Wiederherstellung wertvoller Lebensräume in und außerhalb von Schutzgebieten muss ebenso sichergestellt werden, wie biodiversitätsschädigende Subventionen durch die öffentliche Hand eingestellt werden müssen. Außerdem solle ein bundesweiter Forschungsschwerpunkt Biodiversität eingerichtet und ausreichend dotiert werden, so die Forderungen des WWF.
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Der Living Planet Index, der 1998 erstmals erstellt wurde, zeigt die Auswirkungen menschlichen Verhaltens auf die Tierwelt auf und trifft Aussagen über die Bestandsentwicklung tausender Säugetier-, Vogel-, Fisch- und Reptilien-& Amphibienarten. Kernstück der WWF-Studie, die einen Gradmesser für den ökologischen Zustand der Erde darstellt, ist der Living Planet Index (LPI), der Populationsdaten von Wirbeltierarten ermittelt und die durchschnittlichen Bestandsveränderungen darstellt. Der LPI basiert auf wissenschaftlichen Daten zu mehr als 16.700 untersuchten Populationen von über 4.000 Wirbeltierarten weltweit.
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Der 148 Seiten umfassende Living Planet Report 2018 als PDF
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Quelle:
Robert Manoutschehri
Arno Aschauer
Living Planet Index (LPI)
Univ. Prof. Klaus Hackländer
Universität für Bodenkultur (BOKU)
WorldWildLife
WWF International

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