Globalisierung durch Wandel? Wandel durch Globalisierung?

Der apokryphen Definition eines US-amerikanischen Diplomaten zufolge bedeutet die Globalisierung, „dass alles mit allem zusammenhängt, nur noch mehr als früher“. Präziser, aber weniger einprägsam formuliert, lässt sich Globalisierung definieren als grenzüberschreitende Interaktionsprozesse aller Art (von Gütern, Dienstleistungen und Geld über Ideen und Informationen bis hin zu Menschen), die sich mit immer größerer Reichweite, höherer Geschwindigkeit und zunehmenden Wirkungen ausbreiten und damit alle Bereiche des menschlichen Lebens immer stärker durchdringen und miteinander verknüpfen.
.
Globale Entwicklungen sind keine Naturereignisse, sie sind von Menschen, von der Politik gestaltet.
Es handelt sich dabei allerdings um ein kompliziertes, schwer zu durchschauendes Netz von verschiedenen Entwicklungen. Sie stehen oft in einem größeren Rahmen. Sie wirken über Heimatregionen hinaus. Sie können oftmals auch nicht von der Europäischen Union allein bewältigt werden, sondern sind weltweit zu sehen.
.
Nationale und globale Entwicklungen stehen oftmals in einem wechselseitigen Zusammenhang. Früher war der Blick enger auf die eigene Umgebung gerichtet oder nur auf den eigenen Staat. Heute muss zumindest europäisch, meist aber weltweit, global geschaut werden. Viele Entwicklungen sind in der ganzen Welt spürbar.
.
Globalisierung nennt man diesen Prozess der Ausweitung von Entwicklungen auf die ganze Welt. Der Begriff wird allerdings sehr vielfältig und unterschiedlich verwendet und ist daher nur ganz allgemein zu bestimmen.
.
Was bedeutet die Welt für Dich?
– Wie soll die Welt in der Zukunft sein?
– Welche Entwicklungen beschäftigen uns?
– Welche Entwicklungen ängstigen uns?
– Und welche Entwicklungen begrüßen wir, weil wir uns davon etwas versprechen für uns persönlich, für unsere Gesellschaft, für Europa, für die Welt?
– Welche globale (weltweite) Entwicklung wollen wir?
.
Natürlich ist die Globalisierung keine plötzliche Erfindung, sondern ein sehr langer Prozess. Aber es hat in den letzten Jahrzehnten eine Beschleu-nigung stattgefunden. und es sind auch nicht alle Menschen auf der Welt in diese Globalisierung einbezogen.
.
Aber viele Bereiche sind heute in weltweiten Netzen verbunden. Diese weltweite Vernetzung ist dabei kein abgeschlossener Prozess, sondern die Verflechtung entwickelt sich in allen Bereichen immer weiter (Handel, Finanzwesen, Eigentum, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation usw.).
Einzelne Menschen, Firmen, Vereinigungen, Organisationen, Institutionen, Staaten sind in der ganzen Welt als Kunden, Verkäufer, Reisende, Angestellte, Vertreter ihrer Interessen oder Anliegen usw. tätig.
Dieser Prozess bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für den einzelnen Menschen, und zwar bis hin zu der Gestaltung seines Alltags oder seines täglichen Konsums, seinen Chancen und Gefährdungen.
.
.
Wie Zwiebelschalen umgeben uns die Beziehungen zu unserer Umwelt. Im Nahbereich werden es sehr viele sein und mit der Entfernung werden sie abnehmen. Aber fast jeder Mensch ist vielfach mit der ganzen Welt verbunden. …
zum Überlegen:
– Woher kommt die Wolle in deinem Pullover? Aus Australien?
– Woher kommt die Baumwolle in deinen Jeans? Aus Ägypten?
– Woher kommt der Käse auf deinem Brot? Aus den Niederlanden?
– Woher kommen die Klingeltöne auf deinem Handy? Aus den USA?
– Woher kommt dein Apfel?
– Woher kommt dein CD-Rohling?
– Woher kommt dein Handy? …
.
Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben sichtiefgreifend verändert. Mit der Globalisierung hat sich auch die Mobilität von Menschen, Gütern und Kapital erhöht.
Dadurch verändern sich nicht nur die Bedingungen für die Entwicklung von Sicherheitsgefühlen und -erwartungen, sondern auch Grundlagen formeller und informeller sozialer Kontrolle.
.
Ein eklatantes Beispiel für die zunehmenden weltweiten Verflechtungen und wechselseitigen Abhängigkeiten im Weltmaßstab liefert der demo-grafische Wandel.
.
Während in vielen westlichen und ostasiatischen Industriestaaten das Bevölkerungswachstum seit 1990 rapide zurückging und die Gesellschaften dort rasch alterten und teilweise sogar zu schrumpfen begannen, wuchsen die Bevölkerungen
insbesondere in Afrika, der arabischen Welt und Süd- sowie Südostasien, weitgehend ungebremst fort.
Aus den demografischen Ungleichgewichten resultieren
Wanderungsbewegungen zwischen Regionen; aus den hohen Geburtenraten wurde in Verbindung mit stagnierenden Volkswirtschaften und unzureichenden Beschäftigungsperspektiven der explosive Cocktail des „Jugendüberhangs“ (youth bulge): eine große Zahl gut ausgebildeter, wirtschaftlich aber dennoch häufig perspektivloser junger Männer und Frauen.
.Die Globalisierung wird je nach Blickwinkel sehr gegensätzlich beurteilt. Vieles hat eine gute und eine schlechte Seite gleichzeitig. Es gibt Gewinner und Verlierer. Die Beurteilung ist aber eine sehr stark mit Emotionen aufgeladene Frage, die bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen kann. Eine solche emotional aufgeheizte Argumentation der Kritiker der Globalisierung wie der Befürworter ist wenig oder gar nicht glaubwürdig. Daher ist Vorsicht geboten, WIE man sich selbst engagiert!
.
Quelle:
o bpb – Bundeszentrale für politische Bildung
o Lehrstoff – Globale Herausforderungen; Bausteine zum Thema “Mensch und Gesellschaft” für Unterricht und außer-schulische Bildung
o Hanns W. Maull
– Von den Schwierigkeiten des Regierens in Zeiten der Globalisierung
o Hans-Jörg Albrecht
– Innere Sicherheit und Veränderungen in Systemen sozialer Kontrolle
.


PS.:

Globalisierung ist da – Parallelen zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Wirtschaftsexperten vergleichen die derzeitige wirtschaftliche Situation mit 1913.
http://www.zaronews.world/zaronews-presseberichte/geschichte-wiederholt-sich-ende-der-globalisierung-ist-da-parallelen-zur-zeit-vor-dem-ersten-weltkrieg/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*