Gibt es überhaupt „Gerechtigkeit“ in einer „Leistungsgesellschaft“?

„Leistungsträger“ empfinden es oft als ungerecht, wenn Menschen, die (noch) nichts in die Sozialtöpfe eingezahlt haben, Sozialleistungen erhalten.  Dieses Bild, das (speziell von neoliberal motivierten Parteien) gerne für das Befeuern von Hass- und Neiddebatten zwischen unterprivilegierten Gruppen gezeichnet wird, wirft eine Menge von Fragen auf, mit denen wir uns hier diskursiv befassen möchten:

z.B.: Müssen wir Arbeit UND Einkommen fair-teilen? Und was passiert mit jenen, die keine Arbeit finden … oder gar nicht arbeiten wollen?

z.B.: Was passiert dann mit jenen, die gar keine (anerkannte) Leistung erbringen können?

z.B.: Wie sollten dabei „leistungslose“ Einkommen bewertet werden?

 

zurück zur Übersicht

Eine Antwort auf „Gibt es überhaupt „Gerechtigkeit“ in einer „Leistungsgesellschaft“?“

  1. Meiner Meinung nach muss man zunächst den Begriff „Leistung“ definieren. Im aktuellen Mainstream ist dieser Begriff verbunden mit „Nutzen für die Wirtschaft“ und bedingungslose Unterwerfung im herrschenden System. Das zeigt sich daran, dass viele unbezahlte Arbeit – Stichworte Familie, Kinder, Pflege – im Bruttosozialprodukt keine Erwähnung finden; dass Arbeitszeit, Arbeitsinhalt, nachgefragte Arbeit im wesentlichen vom „System“ – also der herrschenden Klasse – vorgegeben werden und Leute, die hier ausscheren (wollen) als Minimalkonsequenz mit sehr wenig Geld und Gütern ihr leben bestreiten müssen. Da alle Menschen gleich an „Würde und Rechten …..sind“, darf dieser neoliberale Leistungsbegriff keine Kategorie von Gerechtigkeit sein. Allerdings kann „Gerechtigkeit“ wohl immer nur im Zusammenhang des jeweils aktuellen oder wünschenswerten Gesellschaftssystems definiert werden. Wenn wir also nicht in Leistungskategorien bewertet werden wollen, müssen wir uns von der Leistungsgesellschaft verabschieden.
    Liebe Grüße, Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*