Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

Die vergangenen zehn Jahre haben durch die Gehirnforschung Erstaunliches ergeben: Lernen funktioniert in vieler Hinsicht anders, als bisher angenommen.
Tiefgreifende Reformen von Schule und Bildungswesen sind unausweichlich, sagt Professor Manfred Spitzer (Psychiater, Hochschullehrer und Buchautor).


Wir lernen nicht nur in der Schule, sondern vor allem im Leben. Es geht nicht um Büffeln und Tests, sondern um Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir zum Leben brauchen.
Lernen ist die natürliche Lieblingsbeschäftigung unseres Gehirns.

Prof. Spitzer erklärt Arbeitsweise und Potenziale des Gehirns wissenschaftlich genau, aber er bezieht seinen Gegenstand immer wieder auch auf aktuelle Fragestellungen. Der Universitätsprofessor schafft es leicht verständlich, die Lernmaschine im Kopf zu erklären.

Nach Manfred Spitzer zeigt die Gehirnforschung nicht nur, dass wir zum Lernen geboren sind und gar nicht anders können, als lebenslang zu lernen, sondern auch die Bedingungen für erfolgreiches Lernen.
Sie ermögliche uns damit ein besseres Selbstverständnis im besten Sinne des Wortes und leiste einen wichtigen kulturellen Beitrag.
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Der Mensch ist zum Lernen geboren!
Die Gehirnforschung zeigt nicht nur, dass wir zum Lernen geboren sind und gar nicht anders können, als lebenslang zu lernen, sondern auch die Bedingungen für erfolgreiches Lernen. Sie ermögliche uns damit ein besseres Selbstverständnis im besten Sinne des Wortes und leiste einen wichtigen kulturellen Beitrag.

Weil alle Handlungen „Spuren im Gehirn“ hinterließen – umso intensiver, je häufiger sie ausgeführt werden –, sei es nicht egal, was Kinder und Jugendliche den ganzen Tag tun.
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Computer schaden Kindern mehr, als sie nutzen
Manfred Spitzer nimmt auch Bezug auf seinen Bestseller „Digitale Demenz“. Der Psychiater behauptet darin, dass Computer, Facebook und andere Werkzeuge der Moderne besonders jungen Menschen schaden.

Lernen bedeutet aus neurobiologischer Sicht, dass die Verbindungen zwischen Gehirnzellen stärker werden.
Bei Kindern bewirken Lernimpulse schnell eine stärkere Verbindung. Inzwischen weiß man, dass die Gedächtnisleistung davon abhängt, wie das bereits verfügbare Wissen organisiert ist.

Mit Bezug auf vor dem Jahr 2010 erhobene statistische Mediennutzungsdaten von Schülern in Deutschland hat Spitzer 2012 vor übermäßigen Konsum elektronischer Medien durch Kinder und Jugendliche gewarnt; dieser führe zu nur oberflächlicher Beschäftigung mit Informationen und gehe zu Lasten des eigenen, aktiv tätigen Lernens.
Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab. Was wir früher einfach mit dem Kopf gemacht haben, wird heute von Computern, Smartphones, Organizern und Navis erledigt.

Das Gehirn wird wie ein Muskel nur dann trainiert, wenn man es wirklich fordert.

Digitale Medien machen süchtig.
Sie schaden langfristig dem Körper und vor allem dem Geist. Wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, lässt das Gedächtnis nach. Nervenzellen sterben ab, und nachwachsende Zellen überleben nicht, weil sie nicht gebraucht werden.
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„Kinder unter Daueraufsicht, die immer nur an der Hand von Erwachsenen umhergeführt werden, gleichen Haustieren, Stalleseln, die das Leben in der Freiheit nicht mehr kennen.“ Spiegel Online, „Frühe Jahre: Wissensdurst wird durch Klugscheißerei verdorben“
Gerald Hüther; deutscher Neurobiologe und Autor

Hüther ist auch Gründungsmitglied folgender Netzwerke:
– Archiv der Zukunft
– Netzwerk für Schulentwicklung
– Wissenschaftliches interdisziplinäres Netzwerk für Erziehung und Bildungsfragen
– Netzwerk für humanitäre Fragen in der Wirtschaft Forum Humanum
 
Quelle:
Gerald Hüther

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Manfred Spitzer:
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10 Antworten auf „Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“

  1. Jeder Mensch soll in Österreich soll das Recht haben, sich zu jeder Zeit sein ganzes Leben lang zu bilden.
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    Dieses Recht soll staatlich garantiert werden und seine Umsetzung wird ausschließlich (!) von der öffentlichen Hand finanziert. (Spendenannahmen, insbesondere „Sponsoring“ des Schulbetriebs wäre demnach grundsätzlich verboten, um jeden Einfluss der Wirtschaft und sonstiger Interessensträger – etwa von Religionsgemeinschaften – zu unterbinden.)
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    Schule / Bildung #2
    Siehe weiter
    http://www.demos.co.at/unsere-vision-einer-neuen-schule/

  2. Warum fühlen sich viele Menschen in unserer Gesellschaft überfordert?
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    Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Menschen hoffnungslos überlastet und verunsichert fühlen und auch von Zukunftsängsten geplagt sind. Ich glaube aber nicht, dass dafür die Schwere der Belastung entscheidend ist, sondern dass das Fundament, auf dem viele stehen, in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft dünner und zerbrechlicher geworden ist.
    Wir brauchen ein sicheres und tragfähiges Fundament, um den Belastungen standzuhalten …
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    https://www.ursachewirkung.at/gesellschaft/2070-wir-muessen-die-konsumgesellschaft-abschaffen

  3. Tipps für weniger Informationsflut und mehr selber denken:

    – Du bestimmst, was Du liest/siehst/hörst und nicht andere:
    Lass Dich nicht von „Clickbait“-Überschriften („5 Gründe warum das die krasseste Ernährung ist …“), Hohlen Schlagzeilen oder Glitzer-Themen ablenken, denn dabei handelt es sich nur um ein Lockmittel mit wenig Informationsgehalt. Stell Dir lieber selber Deine Lektüre zusammen. Mit dem Ziel, über ein Thema zu lernen, das Dich wirklich interessiert.
    – Finde heraus, welche Motive der/die Autor/in hat.
    Jede/r Autor/in hat ein Ziel, sonst würde sie/er nicht schreiben. Massenmedien versuchen, Anzeigen zu verkaufen, politische, religiöse, Lobby- oder andere Organisationen versuchen, Meinungen zu beeinflussen und Hersteller wollen ihre Bücher oder Produkte verkaufen. Ein Motiv ist nichts Schlechtes, denn niemand schreibt ohne Motiv. Es ist trotzdem gut, zu wissen, warum jemand schreibt.
    – Ergibt das, was Du liest/siehst/hörst einen Sinn?
    Sind die Inhalte logisch nachvollziehbar? Oder handelt es sich nur um eine Aneinanderreihung von „Fakten“, ohne Quellen zu nennen oder die schwer nachvollziehbar sind?
    – Sind die Inhalte aus erster Hand?
    Oder sind die Quellen zumindest klar erkennbar? Was steht in der Original-Quelle drin?
    – Ist der Ton sachlich?
    Oder geht es eher darum, an Deine Gefühle zu appellieren, um Deinen Verstand zu umgehen und Dir eine Meinung zu „verkaufen“?
    – Kannst Du die Behauptungen selbst überprüfen?
    Kannst Du das, was Du liest, selber ausprobieren? Wenn ja, dann tu es! Wenn nicht: welche Relevanz hat der Text für Dich, wenn Du daraus keine Handlung ableiten kannst?
    – Geht es um etwas Nützliches?
    Oder sind es Belanglosigkeiten, die Dir nur wertvolle Aufmerksamkeit rauben?

    Man kann jederzeit die Informationen, die einem serviert werden hinterfragen und damit seinen eigenen Virenscanner einrichten!

    Siehe dazu weiter
    https://blog.paleosophie.de/2018/10/18/denken-ist-krasser-als-googlen/?utm_source=Paleosophie+Newsletter&utm_campaign=9d15dc900a-2018-10-18_Denken_krasser_Googlen&utm_medium=email&utm_term=0_848c74ef87-9d15dc900a-358510837

  4. Wer zweifelt, der überlege einmal:
    – Kopfrechnen wurde schon vor 3 Jahrzehnten abgeschafft
    – Die Telefonnummern der Kunden, Verwandten, Freunde und Bekannten sind im Handy gespeichert.
    – Den Weg zu einem verabredeten Treffen zeigt immer das Navigationssystem.
    – Die beruflichen und privaten Termine hat man nur mehr im Handy oder im PDA.
    – Wer etwas wissen will, der googelt.
    – Fotos, Briefe, Mails, Bücher und Musik hat man in der Cloud.
    – Kommunikation, wenn überhaupt, dann gekürzt und virtuell
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    Denken, kritisch sein, überlegen, vergleichen, Resultate im Hirn abspeichern, selbst erinnern – passiert immer weniger!

    frei nach: Spitzer, Manfred. Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

  5. Das Universum unseres Gehirns mit seinen Abermilliarden Nervenzellen, Synapsen und Verbindungen entdeckt sich selbst Schritt für Schritt.

    Waren früher die Sinneseindrücke wie Sehen und Hören Ziel der Forschung, sind es heute die komplexen Emotionen wie Vertrauen, Angst, Liebe oder Schadenfreude.

    Was unterscheidet das Gehirn von einem Computer? Die Babyforschung gibt wichtige Aufschlüsse zum Lernverhalten des Gehirns. Es will ständig beansprucht werden.
    Lernen ist die Hauptfunktion des Gehirns. Dabei kommt es nicht auf Einzelheiten an. Wichtig ist ein allgemeiner „Nährboden“, der durch Wiederholung, einem ständigen „Training“ entsteht.
    Nicht zu vergessen: Mein Gehirn bin ich! Es ist der alleinige Sitz von Bewusstsein und Persönlichkeit jedes Menschen.

    Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer ist ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm.

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