Warum schweigen die Lämmer?

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Demokratie in einer beispiellosen Weise ausgehöhlt. Demokratie wurde durch die Illusion von Demokratie ersetzt, die freie öffentliche Debatte durch ein Meinungs- und Empörungsmanagement, das Leitideal des mündigen Bürgers durch das des politisch apathischen Konsumenten.

Wahlen spielen mittlerweile für grundlegende politische Fragen praktisch keine Rolle mehr.
Die wichtigen politischen Fragen werden von politisch-ökonomischen Gruppierungen entschieden, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch rechenschaftspflichtig sind.
Die destruktiven ökologischen, sozialen und psychischen Folgen dieser Form der Elitenherrschaft bedrohen immer mehr unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen.
Rainer Mausfeld deckt die Systematik dieser Indoktrination auf, zeigt dabei auch Ihre historischen Konstanten und macht uns sensibel für die vielfältigen psychologischen Beeinflussungsmethoden.

Professor Mausfeld bietet anhand von vielen Beispielen einen Einblick in die tatsächliche Verwaltung unserer Demokratie und wie mit den Techniken des Meinungs- und Empörungs-managements das Volk in Apathie und der Illusion des Informiertseins gehalten wird.
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Geht unser Weg wieder dort hin?
“Recht könne nur zwischen gleich starken Parteien gelten; ansonsten tue der Starke, was er könne, und erleide der Schwache, was er müsse.”
Thukydides ( *
454 v. Chr.; † 396 v. Chr.)
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Doch was macht die ‚Demokratie‘ attraktiv?
Warum hat die Idee der Demokratie eigentlich – wenn auch erst in den vergangenen 150 Jahren – eine solche Faszination, einen solchen Sog entwickelt? Es liegt nahe, dass eine Antwort davon abhängen wird, aus welcher gesellschaftlichen Perspektive man sich dieser Frage nähert.

Aus Sicht des Volkes, also gleichsam von ‚unten‘ betrachtet, ist ‚Demokratie‘ attraktiv, weil wir von Natur aus über eine Konzeption von ‚Zwang‘ und damit auch von ‚Freiheit‘ verfügen. Wir wollen uns autonom fühlen; wir wollen nicht dem Willen eines anderen unterworfen sein.

Was aber könnte Demokratie für die Mächtigen attraktiv machen, deren Macht sie ja gerade einschränkt und bedroht? Die Antwort ist ganz einfach:
NICHTS!
Denn Demokratie bedeutet gerade, die Machtbedürfnisse der Mächtigen und Reichen einzuschränken, woran sie naturgemäß kein Interesse haben.

Wie läßt sich nun aus Sicht der Herrschenden dieses Spannungsverhältnis entschärfen, wenn man blutige Revolutionen vermeiden möchte?
Die Lösung liegt darin, das Freiheitsbedürfnis der Bürger mit einem Surrogat (nicht vollwertigen Ersatz) zu ‚stillen‘, es mit einer Ersatzdroge zu befriedigen, nämlich der Illusion von Demokratie.
Um eine solche Illusion von Demokratie zu schaffen, benötigt man vor allem
– eine Rechtfertigungsideologie, die begründet, warum das Volk unmündig sei und einer Führung bedürfe.
– Ferner muß die für das Volk so attraktive Idee von Demokratie so entleert werden, dass sie nur noch auf einen Wahlakt beschränkt ist.
– Und schließlich benötigt man ein kontinuierliches Demokratiemanagement, damit das Volk bei dem Wahlakt auch so will, wie es wollen soll.
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Meinungsmanagement –
kostengünstiger als Gewalt, Bestechung oder irgendeine andere Kontrolltechnik.
Seit den historischen Anfängen wurde versucht, Machttechniken zu entwickeln, mit denen sich unsere moralischen Sensivitäten gleichsam unterlaufen lassen, die also weniger Widerstand im Volk aktivieren.

Vermittlungsinstanzen für diese Formen der Machtausübung  – unterstützt durch Stiftungen, Think Tanks, Elitenetzwerke und Lobbygruppen – sind insbesondere private und öffentliche Medien, Schulen und der gesamte Erziehungs- und Ausbildungssektor sowie die Kulturindustrie.

Insgesamt sind zur Lenkung der Bevölkerung Techniken vorzuziehen, die nicht nur kurzzeitig wirken, sondern länger anhaltende Effekte haben. Diese Techniken sind das Standardgeschäft der Massenmedien:
Deklariere Fakten als Meinungen. Mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen. Hannah Arendt: “…eine der erschreckendsten Aspekte totalitärer Denksysteme”.
– Fragmentiere zusammenhängende Fakten so, dass der Sinnzusammenhang verloren geht.
– Löse Fakten aus ihrem eigentlichen Zusammenhang, so daß sie als isolierte Einzelfälle erscheinen.
– Bette Fakten so in einen neuen, mit ‚positiven‘ Begleitvorstellungen versehenen Kontext ein, dass sie ihren ursprünglichen Sinnzusammenhang und ein damit möglicherweise verbundenes moralisches Empörungspotential verlieren.
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Die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Fakten
wird wesentlich durch die Massenmedien vermittelt, die neben den Fakten in der Regel auch den gewünschten Interpretationskontext und damit das ‚politische Weltbild‘ vermitteln.
Dieses Thema gehört zu unserem gesellschaftlichen Lebensalltag und geht uns alle an. Die Fragen, die sich hierbei stellen, sind grundlegender und zumeist recht elementarer Natur.

Für die Auseinandersetzung mit ihnen benötigt man kein Expertenwissen, auch wenn die herrschenden Eliten sich bemühen, Diskurse über derartige Themen auf Gruppen ‚geeigneter Experten‘ zu beschränken.
Für Themen, die uns als Bürger (Citoyens), die sich im Geiste der Aufklärung um die Gestaltung unseres Gemeinwesens bemühen, sind wir mit natürlichen Vermögen unseres Geistes ausgestattet.
Den wesentlichen Kern der Fragen zur Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Fakten, um die es bei unseren Themen geht, können wir also auch ohne eine Spezialistenausbildung behandeln.
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Das in den vergangenen fünf Jahrzehnten durchgeführte neoliberale Projekte zielte von Beginn an auf eine radikale Umverteilung und resultierte in der – nach dem europäischen Kolonialismus – größten Umverteilung der Geschichte, einer Umverteilung von unten nach oben, von Süd nach Nord und von der öffentlichen in die private Hand.

Mehr als 50 Jahre Elitendemokratie haben uns gezeigt, wohin dieser Weg führt. Es ist der Weg der Zerstörung.
– Der Zerstörung von Gemeinschaft,
– der Zerstörung der Idee von Gemeinschaft,
– der millionenfachen Zerstörung von Leben,
– der Zerstörung von kultureller und zivilisatorischer Substanz, vor allem in der Dritten Welt
– und der Zerstörung unserer ökologischen Grundlagen.

Die Nutznießer dieser Zerstörung haben keinen Grund, diesen Weg der Zerstörung zu ändern. Die dazu notwendige Veränderungsenergie kann nur von unten kommen – von uns.

Das ist unsere Aufgabe und das ist unsere Verantwortung !

„You already know enough. So do I. It is not knowledge we lack. What is missing is the courage to understand what we know and to draw conclusions.“
Sven Lindqvist (1992).
Exterminate All the Brutes.
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Quelle:

Rainer Mausfeld
– Warum schweigen die Lämmer?: Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen bedrohen
– Demokratie, Psychologie und Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements
– Die Angst der Machteliten vor dem Volk; Demokratie-Management durch Soft Power-Techniken
– free21.org
Video:
Prof. Dr. Rainer Mausfeld »Warum schweigen die Lämmer?«
https://www.youtube.com/watch?v=ks7hznOfTkU 
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Stephan Schulmeister – Das Richtige im Falschen: Verteidigen wir den Euro!


Neben dem Kampf gegen den Islam eint die rechten & rechtsrechten Parteien aller Euro-Länder nichts mehr als die Ablehnung der Europäischen Währungsunion: Der Euro trage die Hauptschuld an der Krise Europas.
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Auch bei vielen Linken steht der Euro nicht hoch im Kurs: Als Reaktion auf die Austeritätspolitik fordern etwa Heiner Flassbeck, Wolfgang Streeck oder Oskar Lafontaine ein Ende der Währungsunion.
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Selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung eine weitere Sparpolitik ablehnt, werde ihr der Gürtel enger geschnallt – also frei nach Brecht:
„Das Volk hat sich das Vertrauen der EU verscherzt und kann es nur durch verdoppelte Sparanstrengung zurückgewinnen.“

In ihrer Ablehnung des Euro kommen Rechtspopulisten und manche linke Intellektuelle also durchaus zu der gleichen Schlussfolgerung, nämlich zu einem Zurück zum Nationalstaat.
Damit aber wird der Weg zu einem gemeinsamen und sozialen Europa durch den bereits erstarkten und weiter wachsenden Nationalismus blockiert.
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Weitere Kapitel:
– 1971 bis 1992: Vom Währungschaos zum Beschluss der Währungsunion
– »Markt« gegen Politik: Der Zusammenbruch des EWS 1992/93
– Die Krise der Währungsunion seit der Finanzkrise 2008
– Die Ursache der Eurokrise: Die »Spielanordnung«, nicht die Währung
– Rückwärts geht es nicht
– Europa in »Hayeks Falle«
– Wechseln wir die Navigationskarte

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2018/juli/das-richtige-im-falschen-verteidigen-wir-den-euro
Dieser Beitrag basiert auf dem neuen Buch des Autors, „Der Weg zur Prosperität“, das im Ecowin-Verlag, Salzburg und München, erschienen ist.


»Am Ende einer Sackgasse muss man neue Wege suchen.«
Seit 45 Jahren nehmen Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und Armut zu. Der Sozialstaat wurde geschwächt, Millionen Menschen in Europa leiden Not. Immer mehr erhoffen sich soziale Wärme in der nationalen Volksgemeinschaft.
– Was hat die herrschende Wirtschaftstheorie damit zu tun?
– Weshalb vertiefen ihre Empfehlungen die Krise?
– Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus?
– Und wie prägt eine Ideologie, nach der nur die Konkurrenz das ökonomisch Beste ermöglicht, unser Zusammenleben?
Der Ökonom Stephan Schulmeister erklärt den »marktreligiösen« Charakter der neoliberalen Theorien und entwirft eine neue »Navigationskarte« für den Weg zur Prosperität in einem gemeinsamen Europa.

Stephan Schulmeister
forschte von 1972 bis 2012 am von Friedrich A. von Hayek gegründeten Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) in Wien und gehört zu den bekanntesten Ökonomen Österreichs. Seine Forschungsschwerpunkte sind die längerfristige Wirtschaftsentwicklung und das Verhältnis von Real- zur Finanzwirtschaft. Er kritisiert den Neoliberalismus als Ideologie im Interesse des Finanzkapitals, nicht des Realkapitals, und sieht sich daher als Freund des Unternehmertums.

 

Quellen
Stephan Schulmeister (aus: »Blätter« 7/2018, Seite 51-62)
Der Weg zur Prosperität 

weitere Empfehlung
Mitten in der großen Krise. Ein »New Deal« für Europa
Ein ökologischer New Deal für Europa  

Gold Plaiting – Alarm im Verbraucherrecht

Die Medien berichten auszugsweise aus einer Wunschliste von Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV), welche Gesetzesstellen wegen „gold plaiting“ (= Übererfüllung von EU-Richtlinien) gestrichen werden sollen.
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IV und WKÖ – die (un)heimliche ReGIERung:
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Dem Verbraucherschutzverein wurde – von unbekannter Seite – diese Gesamtliste zugespielt. Siehe dazu auch auf
https://de.slideshare.net/gkrejci1/gold-plaiting
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oder weiters direkt auf
„Man findet über 70 Wünsche auf Streichung von Regelungen im Verbraucherschutz !!!“
http://www.newsletter-webversion.de/?c=0-1gvtr-147kzlm-5g7
Auszug aus den 70 IV- & WKO-Wünschen auf Streichung
VSV-Info 2-2018
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Beispiel 1:
§ 6 Abs 3 Konsumentenschutzgesetz (KSchG)  
Klauseln in Verbraucherverträgen, die nicht klar und verständlich sind, sind nichtig. Daher können VKI und AK gegen solche Klauseln mit Verbandsklage vorgehen und solche Klauseln präventiv vom Markt elimenieren. Das hilft allen Verbrauchern, die mit der beklagten Firma Verträge schließen oder geschlossen haben. Insbesondere bei den Altverträgen kann sich aus dem Wegfall einer unklaren Klausel ein Rückforderungsanspruch der Verbraucher ergeben, der uU mit Sammelklagen durchgesetzt werden müsste. Der OGH hat gerade über diese Norm viele Verträge geprüft und aufgehoben. Die WKÖ will nun diese Stelle entschärfen. Weg mit der Nichtigkeitssanktion. Man möge individuell von der „kundenfreundlichsten“ Auslegung ausgehen. Damit wäre zu dieser Regelung keine Verbandsklage mehr möglich. Das ist der stärkste Eingriff im Verbraucherrecht und der würde eine jahrelange Judikatur still entsorgen.

Beispiel 2:
§ 100 Telekommunikationsgesetz (TKG)
Bislang konnte der Kunde bei Vertragsabschluss verlangen, die Abrechnung auf einer kostenlosen Papierrechnung zu bekommen. Idee dahinter: Rechnungen via Mail gehen unter, man kontrolliert nicht mehr einen allfälligen Mehrbetrag der gefordert wird und man übersieht Ankündigungen zu Vertragsänderungen, die in der E-Rechnung versteckt werden. Die Regierung hat bereits eine TKG Novelle vorgelegt. Darin wir aus dem Normalfall ein Sonderfall. Generell bekommt man E-Rechnungen, nur über ausdrückliches Verlangen hat man Anspruch auf eine kostenlose Papierrechnung. Begutachtungsfrist endet am 31.7.2018.

Beispiel 3:
§ 16 Abs 3 Verbraucherkreditgesetz (VKrG)    
Bei einer vorzeitigen Rückzahlung eines Verbraucherkredites soll das Limit für die Entschädigungsforderungen der Banken fallen.

Beispiel 4:
§ 3 Abs 1 KSchG
Im Fernabsatz- und Auswärtsgeschäftegesetz beträgt die Frist für den Rücktritt des Verbrauchers zwei Wochen. In § 3 KSchG galt bislang 1 Woche; diese Frist wurde mit dem Inkrafttreten des FAGG auf zwei Wochen angehoben, um die Fristen zu harmonisieren. Die WKÖ will das streichen und damit die Konsumenten verwirren.

Beispiel 5:
§§ 22 ff Verbraucherzahlungskontengesetz (VZKG)    
Die Verpflichtung Basiskonten einzurichten soll reduziert werden.

Beispiel 6:
§ 4a VZKG
Das Verbot die Entgelte von Drittanbieter von Bankomaten über die kontoführende Bank den Kunden zu verrechnen soll – kaum eingeführt – wieder zurückgenommen werden.

Beispiel 7:
§ 44 Abs 2 Zahlungsdienstegesetz (ZaDiG 2009) bzw § 68 Abs 1 ZaDiG 2018
Die IV will, dass bei Problemen bei Zahlungsdienstleistungen die Kunden nicht erst ab leichter Fahrlässigkeit (mit 50 Euro) haften, sondern jedenfalls verschuldensunabhängig.
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Quelle:
verbraucherschutzverein.at
davids-gegen-goliath.at
de.slideshare.net/gkrejci1

Leben, Lernen und Lehren

Um sich in ihrer Welt zurechtzufinden halten Menschen nach Beispielen von Personen Ausschau, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind oder waren, sowie nach Handlungsmöglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnislagen.
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Das Lehren errungerer Kentnisse, das Mitteilen und Weitergeben von Wissen, das Anerziehen als wertvoll anerkannter Charakterzüge sind Aufgaben und Ziele der Erziehung, wie die menschliche Gesellschaft überhaupt.
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John Dewey bemerkte, Philosophie sei in erster Linie “Sich-Vertiefen in die Ideale der Gesellschaft”.
Erziehung ihrerseits ist das Bestreben, diese Ideale durch Beeinflussung des menschlichen Verhaltens zu erreichen.
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Liebe und Tod, Krieg und Frieden, Gott und Natur, Arbeit und Feier, die Begegnung mit der geistigen Welt formen unser Wesen.
Doch hat der Mensch in verschiedenen Zeitaltern und Weltgegenden auf diese sein Schicksal formenden Kräften immer wieder verschieden geantwortet.
Diese Verschiedenheiten der Antworten macht die unterschiedlichen Kulturen aus.
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Für Dewey liegt die Aufgabe der Schule darin, Erfahrungen der Vergangenheit so vor Augen zu führen, dass in ähnlichen, späteren Situationen das richtige Verhalten klargelegt ist.
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“Theorie ohne Praxis ist nutzlos, Praxis ohne Theorie ist blind”
Lenin
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“Unterricht muss allen zukommen und die Kenntnisse müssen vielseitiger werden”
Sir Ronald Gould
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“Die Geschichte der Menschheit wird immer mehr zu einem Wettrennen zwischen Bildung und Untergang”
H.G. Wells
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Eine permanente Selbsttäuschung; der Kapitalismus

Im kapitalistischen Wirtschaftssystem richten Konsumenten, Investoren und Unternehmerinnen ihr Handeln auf die Zukunft aus. Diese birgt Chancen und Risiken, ist aber vor allem eines:
UNGEWISS.
Wie gehen die Akteure mit dieser Ungewissheit um?
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Der Soziologe Jens Beckert hat ein Buch veröffentlicht, in dem er zeigt, wie sehr der Kapitalismus auf Illusionen und eine „imaginierte Zukunft“ angewiesen ist.
Ein weiterer Baustein in der Dekonstruktion des „homo oeconomicus„, also jenes vorgestellten rational wirtschaftenden Menschen, von dem die kapitalistischen Wirtschaftstheorien ausgehen, den es aber
in Wirklichkeit eben nicht gibt.
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Die Kritik an diesen Illusionen – zum Beispiel den Glücksversprechen des Konsums – ist natürlich nicht neu. Aber seit der Finanzkrise und den zunehmenden weltweiten politischen Instabilitäten stellt sich die Frage immer konkreter, was passieren würde, wenn das System tatsächlich kollabiert.
Das Bild, das Beckert für die Situation, in der wir uns befinden, wählt, trifft es wohl tatsächlich auf den Punkt:
Wie ein rollendes Fahrrad muss sich der Kapitalismus immer weiter bewegen, sonst fällt er um.
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Jens Beckert nimmt die temporale Ordnung des modernen Wirtschaftslebens ernst und entwickelt einen neuen Blick auf die Dynamik des Kapitalismus. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stehen die fiktionalen Erwartungen der Akteure – Imaginationen und Narrative darüber, was die Zukunft bringt.
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Fiktionale Erwartungen sind der Treibstoff der Ökonomie, können diese aber auch in tiefe Krisen stürzen, wenn sie als hohle Narrative (Vorstellungen / Berichte) entlarvt werden. Dann platzt die Blase.
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Quelle:

Jens Beckert
geboren 1967, ist seit 2005 Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Professor für Soziologie in Köln. Zuvor hat er u. a. in Göttingen, New York, Princeton, Paris und an der Harvard University gelehrt. 2005 wurde er mit dem Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.
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… siehe auf der Amazaon-Seite ganz unten in „Verwandte Medien“
Jens Beckert spricht über sein Buch
– piqd / Kapitalismus als permanente Selbsttäuschung
Imaginierte Zukunft: Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus
Imagined Futures: Fictional Expectations and Capitalist Dynamics (Harvard Studies)
Verleihung des Leibniz-Preises 2018 an Prof. Dr. Jens Beckert
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Handelsblatt
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Von der Krise der Arbeit zur Krise des Sinns der Arbeit?

Wie wird Arbeit in Zukunft aussehen?
Über die Zukunft der Arbeit wird seit jeher intensiv diskutiert und spekuliert.
– Welche Erwartung stellen wir an die Arbeit?
– Welche Werte liegen dem zugrunde?
– Was bedeutet Arbeit für die Gesellschaft?
– Wie können wir den Wandel der Arbeit gestalten?

 

Begriffe wie „Arbeit 4.0“ oder „New Work“ deuten darauf hin, dass sich die Arbeitswelt in einem fundamentalen Wandlungs-prozess befindet.
Dieser wird unter anderem von der „digitalen Revolution“ angetrieben: Heutzutage nutzt ein Großteil der Beschäftigten Informations- und Kommunikationstechniken bei der Arbeit, was dafür sorgt, dass sich die Arbeitswelt grundlegend verändert.
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Aber nicht nur die Digitalisierung fungiert als Treiber dieses Wandels, sondern auch andere Megatrends wie die Globalisierung, die stärkere Erwerbseinbindung von Frauen und der demografische Wandel.
Zudem werden durch verschiedene Krisen der zurückliegenden Jahre wie die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise oder die Klimakrise grundlegende Selbstverständlichkeiten des Arbeitens und Wirtschaftens wie etwa der Glaube an ein permanentes Wirtschaftswachstum infrage gestellt.
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All diese Veränderungen erfordern ein neues Nachdenken darüber, wie Arbeit zukünftig gestaltet sein soll.
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Themen des Essays von Friedericke Hardering
– Die Suche nach dem Sinn: Zur Zukunft der Arbeit
– Von der Krise der Arbeit zur Krise des Sinns der Arbeit?
– Gesellschaftlicher Sinn von Arbeit
– Individueller Sinn von Arbeit
– Neue Sinnsuchende der Arbeitswelt
– Neue Werte in der Arbeit?
– New Work gestalten
– Debatten versachlichen, Ambivalenzen nicht ausblenden
– Gute Arbeit fördern
– Alternative Arbeitsformen aufwerten
http://www.bpb.de/apuz/250657/die-suche-nach-dem-sinn-zur-zukunft-der-arbeit?p=all
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Quelle:
bpb
APuZ – 26/2017 – Seite 4-10
Die Suche nach dem Sinn: Zur Zukunft der Arbeit
Friedericke Hardering
ist promovierte Politikwissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Leiterin des Projekts „Gesellschaftliche Vorstellungen sinnvoller Arbeit und individuelles Sinnerleben in der Arbeitswelt“.
f.hardering@soz.uni-frankfurt.de 
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Weiterführende Literatur:
– Kurt Lewin; Die Sozialisierung des Taylorsystems
– Hannah Arendt; Vom tätigen Leben
– DGB Index Gute Arbeit; Der Report 2016
– Frithjof Bergmann; Neue Arbeit, neue Kultur
– BM f. Arbeit & Soziales; Wertewelten. Arbeit 4.0
– Tim Obermeier; Arbeitsmarktpolitische Reaktionen auf die Krise
– Institut für Menschenrechte; Inklusiver Arbeitsmarkt statt Sonderstrukturen
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Weiterführende Beiträge :
Thema – Arbeit / Wirtschaft 4.0
ZEITENWENDE – Illusion 4.0 – Deutschlands naiver Traum von der smarten Fabrik
Freizeit oder Arbeitslosigkeit ?

Zukunft der Arbeit: „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“


Die Digitalisierung der Arbeitswelt werde Millionen Arbeitsplätze kosten. Eine Herausforderung, der sich die Gesellschaft noch nicht einmal ansatzweise gestellt habe, sagte der Publizist und Philosoph Richard David Precht im Gespräch mit Karin Fischer.

Auch in Zukunft würden Menschen noch arbeiten, aber vielleicht nicht mehr für Geld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis annähernd die Hälfte der Menschen keinem normalen Nine-to-five-Job mehr nachgeht, sagt der Philosoph Richard David Precht, und fügt hinzu: „Arbeiten werden die Menschen auch in Zukunft. Aber sie werden es vielleicht nicht mehr für Geld tun, und sie werden es vielleicht nicht mehr für eine Firma tun und sie werden es nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis tun.“

Das Problem ist dabei nicht das Selbstfahrende Auto, das laut Precht ebenso sicher kommt wie das bedingungslose Grundeinkommen. Das Problem: „Technologischer Fortschritt wird ja nicht auf demokratischem Weg erzeugt, sondern von kommerziellen Unternehmen vorangetrieben. Es entstehen digitale Supermächte, und denen kann völlig egal sein, wer unter ihnen in Deutschland Bundeskanzler ist oder amerikanischer Präsident. Und eine solche Machtfülle ist nicht gut. Wir bekommen eine Art technokratischer Diktatur.“

Die nächsten Jahre werden schwierig, so Prechts Prognose, der glaubt, dass die digitale Revolution die Gesellschaft erst einmal negativ verändern wird. Grundsätzlich könnte mit ihr aber ein Menschheitstraum wahr werden: „Die Befreiung des Menschen von der entfremdeten Arbeit. Das ist ein alter Menschheitstraum, eine positive Utopie: Arbeit als das zu definieren, worin Sie selber vorkommen und nicht als das, wofür Sie Geld kriegen.“

Der Umgang der Politik mit dem Thema heute von Donald Trump bis Martin Schulz sei allerdings völlig unangemessen, so Precht: „Wir versuchen im Moment, den Arbeitsmarkt von gestern mit einem Mindestlohn zu stabilisieren. Gutverdienende Piloten streiken, um ihre Privilegien zu sichern, bevor in zehn Jahren kein einziger Pilot mehr ein Flugzeug fliegt. Was wir im Augenblick machen: wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um.“

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Quelle:
youtube.com
DLF / Kulturfragen /
Zukunft der Arbeit „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“

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